Klaus Beyer, Dezember 1999

Ernst Moritz Arndt

45 Jahre ein Bonner Bürger

Ein Nachtrag zu seiner Würdigung im Heft 12/99 der Zeitschrift "Mecklenburg"

Weit über die Stadtgrenze Bonns hinaus ist der "Alte Friedhof" sowohl wegen seiner Ruhestätten zahlreicher verdienter Bonner Bürger - speziell der Bonner Universität - als auch wegen der Vielzahl sehenswerter monumentaler Grabdenkmäler eine Sehenswürdigkeit.

Der Alte Friedhof wirkt durch den Kontrast zu seiner lärmenden und hastenden Umgebung. Es liegt eine stille Gelassenheit über dem Totenacker des Bürgertums, der sich mitten im Stadtzentrum befindet

Berühmt jedoch wurde er durch die Grabstätten bekannter Persönlichkeiten. So ruhen hier die Mutter Beethovens, Robert und Clara Schumann, die Ehefrau Friedrich v. Schillers, der berühmte Geisteswissenschaftler Wilhelm Schlegel, die Ehefrau des Komponisten Max Reger und - nicht zuletzt - Ernst Moritz Arndt, der 45 Jahre seines Lebens in Bonn verbrachte.

Ein sehenswerter Baumbestand des Friedhofes ist zusätzlicher Anziehungspunkt für viele Besucher. Fast alle Exemplare sind über 100 Jahre alt, herausragend jedoch sind drei Naturdenkmale besonderer Art, die Ernst-Moritz-Arndt-Eiche ist eine davon. Im Führer für den Bonner Friedhof heißt es hier über die Grabstätte:
"Der Geist pommerscher protestantischer Schlichtheit hat die Grabanlage entstehen lassen. Machtvoll steht die Eiche zwischen den beiden Grabkreuzen des Ehepaares."

Die Gedanken gehen hier eigene Wege und verbinden die Existenz des Baumes mit der besonderen Zuneigung seiner treuen Anhänger.
Doch der Führer gibt eine andere Auskunft und stellt Zusammenhänge her, die Anlass für mich waren, diesen Beitrag für unser Heimatblatt zu schreiben.

Doch ich möchte etwas ausholen, um die Zugehörigkeit Ernst Moritz Arndts zu Bonn etwas zu vertiefen.

Es war 1915, als er den Ruf an die Bonner Uni bekam, um Geschichtswissenschaft zu lehren. Seitdem war Ernst Moritz Arndt Bonner Bürger Er baute 1819 eine Villa unmittelbar am Rhein, ein Haus, das heute unter Denkmalsschutz steht und als Ernst-Moritz-Arndt-Haus zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt.

Auch wenn er von 1820 bis 1840 seine Lehrtätigkeit aufgeben musste, er wurde amtsenthoben wegen unerwünschter politischer Ansichten, so blieb er doch der Stadt treu.

Im Jahre 1834 ertrank sein 9-jähriger Sohn im Rhein. Wie sehr ihn dieser Verlust erschüttert hat, geht wohl am besten daraus hervor, dass er einen jungen Eichenschössling aus seiner Heimat Rügen nach Bonn brachte und ihn auf das Grab setzte. Mit Fontane könnte man sagen:

"Der ist in tiefster Seele treu, wer die Heimat so liebt wie Du."

Auf einer schlichten Grabtafel hat ein Abschiedsvers Ernst Moritz Arndts seinen Niederschlag gefunden. Doch die Tiefe seiner Aussage wird erst dann den Besucher anrühren, wenn er um die Zusammenhänge weiß.

Gute Nacht, ihr meine Freunde, Alle meine Lieben,
Alle, die ihr um mich weint, Lasst euch nicht betrüben
Diesen Abstieg, den ich thu In die Erde nieder,
Seht, die Sonne geht zur Ruh Kommt doch morgen wieder.

Diese von Ernst Moritz Arndt gepflanzte, berühmte Eiche ist heute ca. 170 Jahre alt und beginnt mit seinem Umfang von 3,40 m die Grabanlage förmlich zu sprengen.

Ernst Moritz Arndt hat bis zu seinem Tode 1860 in seiner Villa am Rhein gewohnt.

Er war ein unerschrockenenr Kämpfer für die deutsche Einheit und galt in seiner Zeit als weckender und ermutigender Mahner der Jugend. Seine Vaterslandsliebe fand ihren Ausdruck in seinen Schriften und speziell in seinen Gedichten. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte - bedingt durch die politische Konstellation - eine Arndt-Renaisance ein.

Mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches geriet er 1945 in Vergessenheit.

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